Überlebensstrategien #3

Beim einkaufen.

Ich versuche so spät wie möglich einkaufen zu gehen, weil da die meisten Menschen schon wieder gemütlich zuhause sitzen und es weit weniger voll im Supermarkt ist.

Unser Supermarkt hat bis 22 Uhr auf, das heißt meine liebste Zeit ist dann so ca. gegen 21 Uhr, um meine Erledigungen zu besorgen.

An der Kasse versuche ich, mich möglichst ‚breit‘ hinzustellen. Meine Beine stelle ich etwas auseinander, den Rücken gerade aufrichten. Ich bin relativ klein, nicht mal 1,60 m groß und versuche so, etwas Respekt heischender auszusehen.

Ich mag es gar nicht, wenn sich Menschen in der Schlange an der Kasse sehr nah hinter mich stellen. Ich möchte gerne einen gewissen Abstand einhalten. Ich höre sonst die Atemgeräusche, rieche die Menschen und fühle mich einfach nicht wohl.

Lässt es sich nicht vermeiden, und ich habe jemand aufdringliches in meiner Reihe stehen, versuche ich meinen Einkaufsbeutel so zu halten, dass er als Art Schutzschild dient. Zwischen mir und dem anderen. Manchmal klappt diese Variante und manchmal leider nicht.

Einkaufswagen anfassen. Mag ich gar nicht gerne. Ich versuche sie nur mit den Armen zu steuern wenn es geht. Am liebsten ist es mir aber, wenn ich erst gar keinen brauche und nur meine Tasche zum Tragen der Lebensmittel benutzen kann.

Wenn mich jemand anspricht. Dieser Situation versuche ich grundsätzlich aus dem Weg zu gehen, in dem ich so teilnahmslos wie möglich aussehe. Ich schaue niemanden direkt an. Abgesehen von älteren Herrschaften versuche ich niemanden groß anzulächeln. So schlängel ich mich durch das Menschenaufgebot.

Sollte der Fall aber doch eintreten, verhalte ich mich höflich, aber nicht zu interessiert. Ein dünner Grad.

Ist es ein netter Smalltalk, kein Problem, dieser hat ja Gott sei Dank die Angewohnheit, recht schnell vorbei zu gehen. Ist aber jemand auf ein tieferes Gespräch, oder gar auf ein Treffen aus, fällt dann bei mir die Klappe herunter. Daran habe ich KEIN Interesse. Minus 10.

So schnell wie möglich wird der Gesprächspartner abgewürgt. Am Anfang höflich und nett, allerdings gepaart mit einer deutlichen Fluchtbewegung meinerseits. Ich lehne mich etwas weg, der Oberkörper ist bereits wieder in die Richtung gelehnt, in die ich ursprünglich gehen wollte. Die Füße zeigen ebenfalls in diese Richtung.

Im besten Fall schaue ich nur kurz über die Schulter, um dann schleunigst zu verschwinden. Hilft alles nichts, spreche ich ein/ zwei Minuten mit denjenigen. Antworte möglichst uninteressiert. Spreche etwas rabiate Ansichten von mir an, um möglichst schnell unsympathisch zu wirken, und versuche einfach nur zu verduften.

Meine Freundin spricht mich oft darauf an, dass sie es bemerkenswert findet, dass man es mir so ansieht, dass ich NICHT und unter GAR KEINEN UMSTÄNDEN, von IRGENDJEMANDEN angesprochen werden möchte. Sie meint, ich kann dann richtig kalt wirken. Wie eine undurchdringliche Mauer, an die man sich gar nicht erst heran traut. Das ist gut, denn genau DAS ist mein Ziel! 😀

Natürlich ist es „nett“, wenn jemand Interesse an mir und meinem Tun zeigt, doch im Grunde interessiert es mich herzlich wenig. Ich bin glücklich mit mir, glücklich mit meinem Leben und meiner Umwelt. Mir ist völlig schnurz, was andere darüber denken, oder mir gerne mitteilen möchten.

Mein Outfit. Bei „Outfit“ musste ich etwas schmunzeln. Ich habe vollkommen durchschaut, worauf es vielen Menschen im Leben ankommt. Das der erste Eindruck zählt, man sich repräsentabel verhalten und zeigen sollte. Ich kann das und ich mache es auch. Wie „jede andere Frau“ auch, besitze ich hohe Schuhe, nicht mal wenige, wie ich meine. Ich schminke mich, glätte meine Haare, habe Blusen, Lederhosen, Mäntel und und und. Ich besitze alles was man braucht und kann dies auch gezielt zu meinem Nutzen einsetzen.
Allerdings unterliege ich nicht diversen Zwängen, die mir weißmachen wollen, man müsse immer so herumlaufen. Wenn ich Lust dazu habe, mache ich das.
Ich habe aber genauso wenig Probleme damit, auch mal etwas lässiger aus dem Haus zu gehen. Ich muss nicht XY beeindrucken. XY interessiert mich nicht. Ich mache das alles nur für mich selber.

Wenn ich dies also möchte, super. Dann mache ich das, und auch wirklich gerne. Ich schminke mich ausgiebig, toupiere meine Haare schön und gehe gut zurecht gemacht aus dem Haus.

Gerne allerdings auch mal mit Jogginghose. Oder wildem, ungebürstetem Dutt auf dem Kopf, das interessiert mich herzlich wenig.

Ich möchte damit sagen: Wichtig ist doch, dass wir uns selber wohlfühlen. Und ob dies mit Marlene Hose, Oversize-Pullover oder Peeptoes der Fall ist, ist doch völlig schnuppe. Dies ist doch auch Tagesformabhängig. Wenn ich mich nicht wohl, oder aufgebläht fühle, zwänge ich mich nicht in meine enge Röhrenjeans, die mich dann nur schwer Atmen lässt. Sorry, aber dann ist mir mein „großer Auftritt“ auch herzlich egal.

Mein Zeitmanagement. Im Grunde verzettele ich mich fast immer, sobald es darum geht, zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort zu sein. Mein näheres Umfeld kennt dies bereits von mir. Es wird sogar ausdrücklich hervorgehoben und gelobt, wenn ich püntklich zum verabredeteten Treffpunkt erscheine.
Entweder ich komme viel zu früh, oder deutlich zu spät. Ich versuche also den Schaden etwas einzugrenzen und abzuwägen; ist es ein lebenswichtiger Termin, beim Prof., beim Arzt oder ähnlichem? Dann stehe ich rechtzeitig auf, mache mich fertig und fahre los.

Ist der Termin in meiner Freizeit angesetzt, dann lasse ich es etwas ruhiger angehen. Schlafe vielleicht einen Moment länger und versuche dann, die verlorene Zeit auf den letzten paar Metern hastig wieder aufzuholen.
Hier habe ich kein Geheimrezept. Es ist wie es ist und ich komme gut damit zurecht.

Manch eine Macke muss ein Mensch doch haben. 🙂

Hier kommt ihr zu meinen Überlebensstrategien #1 und Überlebensstrategien #2 .

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7 Gedanken zu “Überlebensstrategien #3

  1. Irgendjemand schrieb mal, er würde in der Schlange vor der Supermarktkasse den Einkaufswagen hinter sich stellen. Den Abstand nach vorne kann man ja selbst bestimmen, nur nach hinten wäre es schwierig. Da verschafft der Wagen dann einen Meter Luft.

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  2. Irgendwie ist es doch ein wenig schitzophren auf der einen Seite, nicht interessiert an dem Kontakt zu Fremden zu sein und auf deren Meinung nicht zu geben, auf der anderen Seite dann aber einen Blog über das eigene Privatleben zu schreiben.
    Kannst du den Unterschied erklären?

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    1. Das Wort „Schizophren“ ist schon mal nicht passend.
      Ich kann hier meine Gedanken und Gefühle aufschreiben, ohne dass mich groß interessiert was jemand darüber denkt. Das eine schließt meiner Meinung nach das andere nicht aus.
      Ob jemand meine Beiträge liest und daraus seine Schlüsse zieht oder nicht, ist jedem selber überlassen. Ich mache das ganze nicht um viele Likes, Zuspruch oder sonst etwas zu bekommen, sondern weil es MIR Spaß macht.
      Von daher bleibe ich hier voll meiner Linie treu. 🙂
      Liebe Grüße.

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