(Spezial-) Interessen #1

Als eines der „Hauptmerkmale“ eines Asperger Autisten gelten seine sogenannten Spezialinteressen. Dies können Leidenschaften sein, die im wahrsten Sinne des Wortes speziell sind, weil sie ein ganz bestimmtes Spartenthema aufgreifen, welches vielen Menschen nicht bekannt ist oder schlichtweg in dem Umfang nicht interessiert oder auffällt.

Oder aber es sind recht geläufige Themen und Hobbies, die aber sehr zeitintensiv und in einem „auffälligen“ Rahmen betrieben werden. Auffällig ist in diesem Fall relativ und subjektiv zu betrachten.

An mir selbst habe ich bemerkt, dass ich in den verschiedenen Phasen meines Lebens unterschiedliche Aktivitäten und Interessen intensiv ausgelebt habe.

Dazu zählen zum Beispiel:

In meiner Grundschulzeit:

Diddl Blätter sammeln und tauschen. Ich weiß gar nicht, wie viele hunderte Diddl Blätter ich bessessen habe. Sie fanden ihren Platz in mehreren Ordnern. In den große Pausen gab es dann einen Treffpunkt, an dem intensiv getauscht und gefeilscht wurde.

Pokemon. Alle (damals) existierenden 150 Pokemon kannte ich auswendig. Ich besaß die Sammelkarten, die Spielkarten, alle für jegliche Gameboy Varianten erhältlichen Handheld-Spiele. Ich hatte die Action Figuren, einen funktionierenden, elektronischen Pokedex, CD´s, sämtliche Folgen der Serie auf Videokasette aufgenommen. Und. Und. Und.

Lesen. Bereits in der erste Klasse las ich viel und gerne. Für mein Alter sogar auffällig viel und vorallem schnell. Bis heute schwöre ich darauf, dass mir das Pokemon spielen das Lesen in der Form beigebracht und mein Schnell-Lesen gefördert hat! Bücher über Bücher hatte (und habe ich auch immer noch) in meinem Regal stehen. Ich hatte nie lange etwas von einem Buch, in der Regel benötigte ich 1, 2 Tage, um es durchzulesen. Ich setzte mich mit ihnen hin und war weg. Unterwegs in den entlegensten Welten. Auf Drachen und Pferden unterwegs. In Venedig, mit dem Herrn der Diebe. Den Ring am Finger mit Bilbo Beutlin. In luftigen Höhen mit den Drachenreitern unterwegs. Gemeinsam Mississippi befreit. Mit den wilden Hühner und Pygmäen im Baumhaus gesessen.  Und Tee im Wohnwagen getrunken. Ich war überall. Dicke Bücher schreckten mich nicht ab. Ganz im Gegenteil, je mehr Seiten, desto besser. Desto länger kann ich meine Helden begleiten. Desto länger in fernen Welten verweilen.

In der weiterführenden Schule:

Mangas. Japanische Comics waren meine große Leidenschaft, vor allem zu Beginn der Pubertät. Ich habe sie GELIEBT. Unzählig viele Exemplare säumten, Rücken an Rücken, mein Regal über dem Bett. Stolz, und sich ihnen zugleich vertraut fühlend, betrachtete ich sie stundenlang. Analysierte die verschiedenen Arten, wie sie gezeichnet wurden. Begann sie immer und immer wieder von vorne durchzublättern. Suchte stundenlang in Internet nach weiterführenden Informationen zu der jeweiligen Comicserie. Ich ging einfach völlig in dieser fernen, mysteriösen Welt auf.

Animes. Passend zu meiner Manga Leidenschaft frönte ich eine innige Liebe zu den (meist auf RTL 2 zur nachmittagszeit laufenden) Anime Serien. Pokemon. Ranma 1 1/2. Yu-Gi-Oh. Inuyasha. Jeanne, die Kamikaze Diebin. Doremi. Dragonball. Dragonball Z. Digimon. Detektiv Conan. Und. Und. Und. Ich habe sie alle gesehen. Jeden einzelnen Tag klebte ich wie besessen vor der Mattscheibe und feierte mein Leben.

Songtexte. Regelmäßig  (ich kann nicht genau sagen, wie oft) saß ich abends bis spät in die Nacht an meinem Schreibtisch und schrieb Textpassagen meiner Lieblingslieder auf. Verzierte sie. Ummalte sie. Suchte im Internet nach weiteren Passagen. Fügte diese hinzu. Dies waren zwar Lieder, die ich wirklich gerne in meiner Freizeit hörte. Doch oft genügte es mir, die Texte zu notieren, ich brauchte die zugehörige Musik nicht unbedingt zu hören. Meist spielte sie sich, während des Schreibens, in meinem Kopf ab. Dies fand ich oft entspannter, als doof Kopfhörer in den Ohren zu haben.  Es war irgendwie „leiser“. Ordnerweise hatte ich die nächtlichen Sessions in meinem Regal stehen und war stolz wie Bolle.

Hier gelangt ihr zu meinen (Spezial-) Interessen #2 , in welchen ich mich mit meinen aktuellen Hobbies und Leidenschaften beschäftige.

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5 Gedanken zu “(Spezial-) Interessen #1

  1. Hallo.

    Was für ein toller Blog, ich mag ihn sehr, ich erkenne vorallem in diesem Beitrag 1:1 meine Tochter wieder. Ihr könntet Zwillinge sein. So viel Ähnlichkeit das ist unglaublich. Sie ist jetzt in der weiterführenden Schule und ihr seid nahezu identisch. LG Corinna

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  2. Hallo,

    ich finde deinen Blog auch sehr schön 🙂
    Deine Kindheitsinteressen treffen zum Teil auch auf mich zu. Lesen war auch schon als Kind mein großes Hobby und ist es bis heute geblieben. Mit Büchern konnte ich eben schon immer mehr anfangen als mit Menschen.
    Diddl-Blätter habe ich in der Grundschule auch einmal eine Zeitlang gesammelt und getauscht. Doch dann kam Diddl plötzlich außer Mode und alle haben auf dem Schulhof nur noch von Pokemon gesprochen, womit ich hingegen überhaupt nichts anfangen konnte.
    Mangas und Animes mag ich auch, wobei ich jedoch noch nicht so viele gelesen und auch noch keine Serien gesehen habe, sondern nur Filme. Vielmehr übe ich mich seit der 7. Klasse immer wieder darin, in diesem Stil zu zeichnen. Generell interessiere ich mich für alles, was mit Japan zu tun hat.
    Mit den Songtexten ist das bei mir so, dass ich selbst eigene Texte auf die Melodien meiner Lieblingslieder dichte. Aber das mache ich erst seit etwa zwei Jahren, also schon als Erwachsene.

    LG Ami

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