Nein danke – Ich schaue nur zu

Mein Spielverhalten als Kind würde ich als sehr kreativ bezeichnen. Nur konnte man dies als Außenstehender oft nicht erkennen, da sich meine Spielwelten fast ausschließlich in meiner Fantasie abspielten (Wortspiieel).

Am liebsten spielte ich mit Playmobil. Dies lief dann so ab, dass ich meine Spielfiguren, Häuser etc. in Ruhe aufbaute. Danach saß ich davor. Und für Außenstehende ersichtlich passierte daraufhin dann gar nichts mehr. Ich bewegte die Figuren nicht. Ich sprach nicht. Ich bewegte mich nicht. Ich saß einfach nur still vor meiner aufgebauten Spielwelt. Das muss, wenn ich im Nachhinein so darüber nachdenke, wirklich freakig ausgesehen haben, denn ich  hatte wirklich sehr viel Spielzeug. Im Grunde besaß ich alles was ein Kinderherz begehrte und teilweise noch viel mehr. Dennoch bewegte ich beim Spielen nichts davon, außer während des Aufbauens.

In  meinem Kopf erfand ich die wildesten Abenteuer. Nichts war unmöglich. Ich schrie, lachte, weinte, ritt, fuhr Auto, dressierte Tiger und Löwen, alles in meinem Kopf. Ich liebte diese Art des Spielens. Es war geheim. Es war ganz allein mein Spiel. Niemand konnte mir zuschauen oder zuhören. Ich verriet nichts und konnte gleichzeitig alles machen, weil in der Fantasie einfach alles möglich war und immer noch ist. Dies faszinierte mich.

Spannend wurde es dann ab einem bestimmten Alter, in welchem ich begann mich in meiner Freizeit mit Freunden zu verabreden. Zum gemeinsamen Spielen.

In der Nachbarschaft hatte ich meinen besten Freund, der eine sehr große Playmobil Ritter Sammlung besaß. Und natürlich gerne damit spielte. Am Anfang weigerte ich mich standhaft seine Figuren anzufassen. Ich traute  mich nicht. Auf die Frage ob ich mitspielen wolle, hatte ich immer nur eine Antwort parat – Nein danke, ich schaue nur zu. Und so war es dann auch. Meine Freunde spielten, während ich daneben saß und zusah. Allerdings hatte ich kein Problem dabei. Mir ging es nicht schlecht, ganz im Gegenteil ich fand es sogar recht interessant.

Irgendwann entwickelte ich mich dann dahingehend weiter, dass ich anfing gemeinsam zu spielen. Das lief dann so ab, dass ich mein Spielzeug mit zu meinen Freundinnen und Freunden brachte und wir sozusagen parallel spielten. Jeder in seiner Welt, jeder mit seinen Figuren. Meine Figuren durfte am Anfang kein anderes Kind anfassen. Ich hätte mit dem anderen Spielzeug spielen dürfen, wollte aber nicht. Ich fand das völlig normal, meine Freunde hatten keine Probleme damit und wir hatten gemeinsam eine Menge Spaß. Ich war immer glücklich während ich mit meinen Freunden verabredet war.

Der nächste Entwicklungsschritt bestand darin, dass ich auch mit fremdem Spielzeug spielte. Bei meiner damals besten Freundin L  hatte ich eine eigene Gruppe an Spielfiguren. Es waren eigentlich ihre Figuren, doch sobald ich da war, habe nur ich sie benutzt. Sozusagen als indirekte eigene Spielgruppe. Als Kolonie, als außenstehende Familiengruppe, einfach ausgegliedert und nur auf dem Blatt Papier einer anderen gehörend.

Ich habe mich immer sehr sehr gut mit L verstanden und unbewusst haben wir uns aufeinander abgestimmt und Rücksicht genommen. Es gab nie ein Problem zwischen uns und sie akzeptierte mich voll und ganz, so wie ich war. Anders herum genauso, es war eine vertrauens- und liebevolle Freundschaft. Wir reisten gemeinsam mit unseren Spielwohnwagen, ritten mit den Schleichpferden, teilten in unserer frühen Pubertätsphase die Leidenschaft zu den Manga Comics und spielten in der Grundschule voller Inbrunst gemeinsam Pokemon auf dem Game Boy Color. Eine bessere Freundin hätte ich mir nicht wünschen können.

Wenn ich Freunde bei mir zu Besuch hatte fiel es mir am Anfang sehr schwer mein Spielzeug freizugeben, anderen zu erlauben damit zu spielen. Sie machten es irgendwie nicht „richtig“. Die Art wie sie sie an- und umzogen, wie sie die Familien bildeten, wie sie die Tiere aufstellten, und und und. Es war einfach nicht „richtig“. Es war komplett anders als ich es machte und damit kam ich nicht zurecht, weil es ja meine Sachen waren.

Mit der Zeit empfand ich dabei weniger Stress. Ich klammerte nicht mehr so sehr und konnte sogar aufrichtig Spaß am Spiel empfinden. Am liebsten war es mir dennoch, wenn die Playmobil Familien geschlossen anreisten und bei mir Urlaub machten. Oder die Pferde von einer fremden Ranch kamen, um bei mir ein Turnier zu reiten. Genauso konnte mit den Fashion Polly Figuren auch ein Schüleraustausch zu mir stattfinden. Egal.

Hauptsache mein Freund/ meine Freundin brachte seine eigenen Spielfiguren mit!

Teilte ich doch meinen Besitz, achtete ich sogfältig darauf, dass es einen gewissen ausgewählten Zirkel gab, den ich niemals verlieh. Der ganz allein und nur ausschließlich meiner war. Eine kleine Nische muss es ja geben um ein bisschen spezieller zu sein. 😉

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