Dünnhäutig

Es gibt Tage, da fühle ich mich besonders dünnhäutig. Heute ist so ein Tag.
Und auch gestern war so einer.

Ich fühle mich sehr emotional, weine schnell und höre alles viel viel lauter. Jeder Reiz knallt auf mich ein.
Sehr intensiv und so durchdringend, dass ich nur schwer filtern kann.

Ich fühle mich ausgelaugt und schlafe viel.
Heute habe ich den ganzen Nachmittag geschlafen und versuche nun bis abends wach zu bleiben.

Ich möchte euch davon erzählen, dass ich froh und glücklich bin, nicht alleine zu wohnen.

Ich wohne seit Sommer letzten Jahres mit meinem Freund gemeinsam in einer 3-Zimmer Wohnung.
Ich war aufgeregt und gespannt was die neuen Erfahrungen mit sich bringen würden, lernt man seine Mitbewohner, egal ob Lebensgefährte, Freund/ Freundin etc. doch auf jeden Fall von einer anderen Seite kennen.

Man geht sich auch mal auf den Keks und gemeinsam den Alltag zu bewältigen und zu planen ist ein großer Schritt.

Mein Freund entlastet mich sehr. Zum Beispiel wenn es an der Tür klingelt. Jedes Mal erschrecke ich mich dabei sehr.

Egal ob Schornsteinfeger, Postbote, unangekündigter Besuch. Mein Freund öffnet die Tür und stellt sich vor mir und zwischen die Reize und Einflüsse aus der Umwelt.

Das Klingeln an der Tür ist für mich sehr unangenehm. Es erschreckt mich jedes Mal sehr, ich fühle mich bedroht und habe Angst.
Eigentlich bin ich nicht so der Angst-Typ, aber Tür klingeln oder die Ankündigung von Paketen etc. sind schrecklich für mich.

Letzte Woche kam der Schornsteinfeger zu uns. In einem Zeitfenster von zwei Stunden hatte er sich angekündigt.
Zeitfenster sind ansich sehr schwierig für mich.

Weiß ich, zwischen z.B. 11 und 17 Uhr wird ein Paket kommen kann ich kaum mehr etwas machen.
Ich traue mich nicht ins Bad, kann nicht gut etwas essen und abschalten und mich ausruhen schon gar nicht.
Ich bin so unter Strom und habe Stress. Erst wenn es an der Tür geklingelt hatte und das Paket gekommen ist, kann ich mich ausruhen.
Danach bin ich wirklich sehr erschöpft.

Als letzte Woche der Schornsteinfeger zu uns kam, ging es mir gar nicht gut.
Er hatte sich für morgens angekündigt,
wo ich mich sowieso nicht wohl fühle und Ruhe brauche um zu essen und in den Tag zu starten.

Ich konnte nicht sprechen und wäre am liebsten in Tränen ausgebrochen.
Wenn mein Freund nicht die Tür geöffnet und sich mit dem Schornsteinfeger auseinander gesetzt hätte, ich wäre nicht an die Tür gegangen.

Doch das Klingeln alleine, selbst wenn ich die Tür nicht öffne erschreckt mich so langfristig, dass ich danach meist eine Zeit brauche, um von meinem Stresslevel herunter zu kommen.

Heute werde ich noch einmal das Haus verlassen.
An die frische Luft gehen.
Ich werde noch ein paar Lebensmittel besorgen und freue mich meinen Kreislauf anzukurbeln.

Ich merke, Haushalt, Studium und Nebenjob ist nicht ohne.
Nun ist die Vorlesungsfreie Zeit angebrochen.
Ich werde eine Hausarbeit schreiben und habe eine mündliche Prüfung vor mir.

In jeder freien Minute versuche ich einen Schritt zurück zu treten und mich auszuruhen.
Das ist nicht einfach für mich, denn sobald etwas in der Wohnung nicht an seinem Platz ist, macht mir das Stress und eigentlich müsste ich es dann sofort aufräumen.
Ich versuche zurück zu treten und durch zu atmen.

Dafür gibt es dann so Tage wie heute, an denen meine Körper mir sagt;

Es reicht jetzt.

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