Wie fühlt sich mein Autismus an?

Die letzten Tage habe ich viel darüber nachgedacht, versucht zu reflektieren und zu erfühlen; Ja, wie fühlt er sich denn an, der Autismus? Mein Autismus?
Was ist das, was ich als Autismus ausmache?
Kann ich überhaupt etwas „erfühlen“, oder geht es nicht, weil es alles ist und wo also die Grenzen ziehen, den Unterschied ausmachen?
Und wie fühlen sich denn Menschen, die keinen Autismus haben?

Meinen Autismus selber, das was ich als Autismus deklarieren und für mich ausmachen würde, empfinde ich besonders, wenn ich depressiv bin. Ich kann nicht sprechen, ich fühle mich in meinem Körper gefangen.

Ich fühle mich als wäre ich in meinem Körper aber würde ihn nicht ausfüllen.
Kann ihn nicht mit Licht füllen.
Meine Fingerspitzen von innen nicht erreichen.
Ich bin irgendwo, ganz tief in mir drin, weiß das auch, spüre das auch und kann nicht heraus kommen.

Ich kann auf Fragen nicht antworten und noch weniger von mir und meinem Standpunkt selber aus etwas sagen.
Ich habe keine Worte. Ich weiß nicht mal was Worte sind. Ich fühle viel und doch einfach nichts.

Manchmal schießt mir die Frage in den Kopf „Wo bin ich?“, doch ich finde keine Antwort, weil die Worte überall sind, nur nicht bei mir.
Das was ich fühle kann ich nicht benennen, nur umschreiben.
Ich kann mich selber in Zeit und Raum nicht verorten, alles kommt mir auf einmal so relativ vor.

Es ist als hätte ich erkannt, alles ist alles und alles ist nichts und wo bin ich überhaupt?
Mein Körper fühlt sich unendlich groß an, dehnt sich weiter und immer weiter aus und ich bin irgendwo in ihm, und hüpfe und rufe und winke und alles um mich herum wird weiter und größer, sodass ich immer mehr verschwimme.
Mit dem Alles verschwimme.

Häufig lässt mich mein Autismus ganz ruhig werden.
Ich fühle eine tiefe Ruhe. Wie ein schwarzes Loch.
Etwas gedämpft und sehr friedlich. Licht wird aufgesogen und Geräusche ebenso.
Auch in diesen Momenten finde ich keine Worte. Weil ich aber auch keine brauche. Ich bin mir selbst genug.
Mein Körper ist wie ein schwarzer Punkt, den ich komplett ausfülle.
Ich berühre meine Fingerspitzen von innen.
Ich fühle mich komplett eins und nun ist nur noch mein Kopf unendlich weit.
So weit und groß, dass ich in diesen Momenten, die sich wie Jahre anfühlen, nicht darüber sprechen möchte, weil jedes Wort diese Weite einschränken würde.

Häufig fühle ich keine Emotion. Fühle mich neutral und regungslos. Betrachte vieles nüchtern und dadurch komme ich mir sehr funktionsfähig vor.

Manchmal hingegen erscheint es mir, als würde ich alle Gefühle auf einmal und dann nochmal doppelt so stark empfinden.
Ich fühle mich zutiefst verbunden; Mit den Tieren, den Bäumen im Wald, den Charakteren im Film den ich schaue, den Fußballmannschaften.
Ich lache, ich weine, ich schreie, ich bin ehrfürchtig.

Mit Menschen fällt es mir schwerer diese Verbundenheit zu empfinden. Ich kann mich mitfreuen und mitlachen und trösten, aber mich wirklich verbunden fühlen, wirklich etwas tiefes fühlen was ein Mitmensch in mir auslöst, kommt eher selten vor.
Wenn dies dann aber stattfindet, überwältigt es mich manchmal.

Drei Dinge haben mich bisher in meinem Leben anders fühlen lassen, temporäre oder auch dauerhafte Zustandsveränderungen hervorgerufen, sodass ich herleiten kann, was von meinen Empfindungen und Wahrnehmungen wohl mein Autismus ist. Was von ihm wohl beeinflusst oder hervorgerufen wird.

Der erste Punkt ist Sport.
Am darauffolgenden Tag meiner sportlichen Betätigung fühle ich mich wacher.
Ich habe das Gefühl, mein Kopf ist vernetzter und es kommt mir intuitiver vor, wie ich handle.

Der zweite Punkt ist meine Ernährungsumstellung.
Ich habe eine dauerhafte Veränderung meiner Emotionen und Wahrnehmung erreicht. Ich fühle mehr von mir, habe das Gefühl, dass die Momente, in denen ich mich nicht ausfüllen und nicht auf mich zugreifen kann, seltener geworden sind. Ich winke nicht mehr aus der Tür, sondern gehe hindurch und nehme am Leben teil.
In meinem Beitrag Meine Umstellung auf histaminarme Ernährung
schreibe ich ausführlich darüber.

Der dritte Punkt ist Cannabis.
Nach dem Konsum einiger bestimmter Sorten habe ich das Gefühl, am Leben teilnehmen zu können.
In diesem Fall spreche ich ausdrücklich von Cannabis rein zu medizinischen Zwecken.
Ich habe vor, zu medizinischem Cannabis noch mehr auf meinem Blog zu schreiben. Es werden also Beiträge folgen, in denen ich diesen Bereich noch aufgreife.

Ich werde mir weitere Gedanken machen, reflektieren und schauen, ob ich ergänzende Erkenntnisse gewinnen kann.

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