Druck

Ich maßte mir immer an, gut unter Druck arbeiten zu können. Das kleine Fünkchen Drama und den Ehrgeiz im Rücken spüren zu müssen, wenn es darum ging die letzten Meter zum Ziel hin in einem Sprint zu absolvieren.

Ich dachte immer, es ist gut so wie es ist, meine Leistung kann ich immer erbringen. Strotzte vor Selbstbewusstsein und auch ein bisschen Einfältigkeit. Was sollte schiefgehen. Ich fühlte mich so groß.

Ich denke von mir, dass ich authentisch bin. Gradlinig. Mir war immer klar, mit Menschen die unehrlich, faul und egoistisch sind möchte ich nicht zusammenarbeiten.

Meine Mama hat mal zu mir gesagt, man kann sich seine Mitarbeiter später nicht aussuchen. Damals verstand ich nicht ganz.

Nun verstehe ich es. Und es macht mir etwas Angst. Beziehungsweise; ich habe Respekt davor.

Einem Chef gegenüber zu sitzen den ich nicht leiden kann. Meine Leistung nicht abrufen zu können, weil ich die Sinnhaftigkeit von diesen in Frage stelle, den ethischen Wert bezweifel und/ oder es einfach nur total kacke finde.

Ich weiß nicht, ob ich mich motivieren kann, die geforderte Leistung zu erbringen. Ob ich dem Druck standhalten kann. Es schaffe aufzustehen und jeden Tag zur Arbeit zu gehen. Überstunden zu erbringen, wenn sie gefordert sind oder mit dem Herzblut an einer Sache zu arbeiten, wie ich es mir schon immer gewünscht habe und auch von mir erwarte.
Ich wollte immer die Welt verändern.

Es gibt Mittel und Wege seinen ganz persönlichen Weg zu bestreiten und es ist selten leicht, Wege zu gehen, dessen Pfade nicht so ausgelaufen und gepflastert sind.

In meinem letzten Bericht erzählte ich von einem Projekt, das mich das Semester hindurch begleitete.

Die letzten Wochen habe ich großen Druck verspürt. Ich wollte meinen eigenen Anforderungen gerecht werden, doch war gleichzeitig unter den mir gegebenen Umständen nicht bereit dazu.
So viele Dinge die mich nervten, an denen ich mich aufrieb.
Irgendwann beendetete ich die Gedanken darüber.
Ich schadete mit ihnen nur mir selber und brachte mich auch mit dem hundertsten Monolog darüber, wie doof doch die Organisation sei, wie unfair sich das Ganze gestalte und wie um Himmels willen ich das alles schaffen sollte, kein Stück weiter.

Woche für Woche lief ich mit Handbremse.
Erbrachte die erforderten Leistungen, doch brannte nicht dafür.
Setzte mein Herz nicht ein.
Die Texte waren gut, aber sie erfüllten mich nicht.

Ich arbeitete mit Menschen zusammen, die ich nicht mochte.
Besuchte Orte, an denen ich mich nicht wohl fühlte. Ich hatte großen Stress und zwischendurch auch Angst.
Ich investierte viel viel Zeit in Dinge, die mich nicht glücklich machten.
Stets auf das Ziel fokussiert, wofür es sich schlussendlich lohnen würde.
Wie ist es wohl im Arbeitsleben? Was, wenn das angestrebte Ergebnis toll und wünschenswert ist, der Weg dorthin es jedoch in sich hat?

Ein jeder Mensch hat eine unterschiedliche Toleranzgrenze.
Ich weiß nicht wo meine liegt.

Momentan würde ich sagen, nicht besonders hoch.

Ich möchte nicht als verblendeter Träumer erscheinen, dem eigenen persönlichen Ideal hinterher jagend, auf der Suche nach DEM Weg, wie er die Welt zu einem besseren Ort machen könnte.

Eigentlich möchte ich genau dies, doch ich gestehe mir einen gewissen Realismus ein.

Ich habe Respekt vor jedem Menschen, der Tag für Tag seiner Arbeit nachgeht.
Wirklich. Genau dies wünsche ich mir auch so sehr.

Durch meine Nebenjobs habe ich schon vieles gelernt, doch waren es bisher keine Tätigkeiten in denen ich einer großen Verantwortung gerecht werden musste.
Und sei es die Verantwortung mir selbst gegenüber mein Handeln und meine Leistungen zu vertreten.

Ich habe noch einige Jahre vor mir, in denen ich studieren und reifen kann.
Vielen meiner Kommilitonen und Freunden ergeht es wie mir.

Der Druck. Selbstzweifel und Unwissenheit über ihre Zukunft.

Ich hoffe, dass ich lerne, das Gefühl zu haben, mir treu zu sein und gleichzeitig voller Inbrunst meinen Tätigkeiten nachgehen zu können.

Ich wünsche mir einen Beruf, in dem ich gefordert werde, der mich zum Nachdenken anregt und meinen Geist fit hält.

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