Semesterferien – Leben ohne Tagesablauf

Die Sonne steht bereits hoch am Himmel. Meine Gardine ist zugezogen, sodass mich nur ein schwacher Schimmer erreicht.

Mein Blick fällt auf das Handydisplay; 12 Uhr. Mittags. Scheiße, wo ist mein Morgen geblieben?

Wieder vorbei die Pläne, früh aufstehen, fleißig sein.
Wäsche machen, Uni Kram erledigen oder einfach rausgehen.

Wieder hatte ich mir den Wecker gestellt.
Und wieder hatte ich keinen Grund aufzustehen.

Der Wecker klingelt, ich schalte ihn aus. Ich schlafe weiter. Gefühlte hundert Jahre. Tag für Tag.

Die vorlesungsfreie Zeit ist ein Abschnitt, der zweimal im Jahr meine Gesundheit gefährdet.
Ich tingel durch mein Leben, völlig ohne Plan und Haltepunkte. Keine Termine, die ich einhalten muss. Keine Zeitpunkte, an denen ich dringend dort sein muss.
Kein Grund mich fertig zu machen. Kein wirklicher Grund hinauszugehen.

Es sei denn ich suche mir selber einen.

Ich brauche einen Grund aufzustehen. Einen festen Ablauf, ich muss etwas zu tun haben.

Ich bewundere die Menschen, die es schaffen von selber morgens parat zu stehen. Frisch geduscht und mit guter Laune. Die nicht zur Arbeit das Haus verlassen müssen, jedoch Zuhause ihren Pflichten und Vorstellungen nachgehen.

Disziplin und Ehrgeiz.

Habe ich keinen zeitlichen Ablauf sind sie dahin.

Gib mir zuviel Zeit und ich schaffe nichts, oder nur wenig produktives. Im Prinzip schlafe ich nur.
Gehe mit dem Hund, esse etwas und versumpfe dann wieder in meinem Zimmer, was dann doch wieder in einem Schläfchen gipfelt.

Richtig produktiv, mit Hausputz, Univorbereitungen, werde ich häufig erst abends.
Da geht es mir besser.
Ich habe dann mehr Kraft.

Tagsüber weiß ich wenig mit mit anzufangen.
Morgens gar nichts.

Wer hat nur diese Zeit am Morgen dafür bestimmt, seinen Tag zu beginnen?

Jedes Mal aufs neue präsentiert sie sich für mich als luftleeres Vakuum. Als zeitfreier Raum. Einfach eine Verschwendung.

Was macht man morgens, wenn man das Haus nicht verlassen muss?

Ein Studium lässt viele Freiräume. Manchmal auch einfach zuviele.
Seit drei Jahren studiere ich nun.
Jedes Mal aufs neue verfalle ich in den Semesterferien in ein tiefes tiefes Loch.

Jetzt im Sommer geht es noch, da kann ich spontan an den See fahren oder in die Stadt.
Im Winter fällt auch dies weg.

Ich weiß häufig einfach nichts mit mir und meiner Zeit anzufangen.
Möchte so gerne etwas sinnvolles tun.

Die Zeit voller Freude und Energie nutzen.

Letztendlich schaue ich auf die Uhr und hoffe, dass sie schnell vorbei geht.

Und wenn nicht gehe ich eben wieder schlafen.

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6 Gedanken zu “Semesterferien – Leben ohne Tagesablauf

  1. Ich kann das sehr gut nach vollziehen. Während meiner Ausbildung habe ich Ferien. Ein toller Luxus eigentlich, der für mich währen der 6 Wochen Ferien schrecklich zur Last wurde. Es war einfach zu viel Zeit, zu wenig Termine, Struktur…. klingt doch ziemlich komisch…

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    1. Da gebe ich dir Recht, komisch, aber auf der anderen Seite auch nachvollziehbar finde ich. Gerade manche Arbeitslose und Rentner empfinden denke ich ähnlich wie wir. Struktur und auch ein gewisser „gesunder“ Druck, der einem irgendwo Halt gibt sind sehr wichtig. Und diesen selber aufzubauen gelingt nicht immer und jedem.

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      1. Ja ist definitiv so, dass man eingeht wenn man nichts zz tun hat. Arbeit braucht ein jeder bzw. Eine Aufgabe. Inwiefern das bei einem Menschen mit Autismus anders ist, liegt vielleicht auch daran ob er das Kanner oder Asperger hat. Dennoch kann daran wohl jeder Mensch leiden o. Erkranken

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      2. Ja das ist definitiv so dass ein jeder Mensch irgendwie eingeht. Jeder braucht Arbeit bzw. Eine Aufgabe sonst gehts an die Gesundheit etc… inwiefern das bei einem Menschen mit Ass anders ist weiß ich nicht. Ich denke aber dass es wie bei jedem Menschen ist ausser man unterscheidet vielleicht zwischen dem Kanner und Asperger Syndrom

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