Schläfst Du oben oder unten?

Das Highlight eines fast jeden Schulkindes während seiner Schullaufbahn sind, behaupte ich mal, die Klassenfahrten.
Auch ich habe eine Handvoll solcher erleben dürfen und war immer wieder erstaunt über die unterschiedlichen sozialen Konstellationen, die vor und/oder nach einer Klassenfahrt bestanden.

Klassenfahrt 4. Klasse, wir durften einen Ponyhof besuchen.

Die Mädchen meiner Klasse flippten förmlich aus, als unser Reiseziel bekannt gegeben wurde. Auch ich freute mich. Mit Pferden und Ponys hatte ich zwar vorher keine Berührungspunkte, doch ich stellte es mir einfach großartig vor. Wie bei Cornelia Funkes „Mississippi“ auf dem Pferderücken durch die Gegend preschen.

Es sollte nicht nur das erste Mal für mich auf dem Rücken eines Pferdes und Ponys werden, sondern auch meine erste Klassenfahrt überhaupt.
Ich war so was von aufgeregt.

Kurz vorher durfte ich mit Mama neue Anziehsachen aussuchen gehen. Es sollte ja etwas ganz besonderes werden, diese Klassenfahrt.

Einen Abend vorher packte ich gemeinsam mit Mama und Papa meinen kleinen Reisekoffer.

Ich war tierisch aufgeregt. Ich war zwar vorher schon verreist, aber noch nie alleine, ohne meine Familie. Aufregung und Vorfreude vermischten sich und ich konnte die Nacht vor Aufbruch nicht schlafen.

Nach einer knappen Stunde Busfahrt erreichten wir den Pferdehof.

Die Zimmer hatten wir zum Glück im Vorfeld bereits in unserem Klassenzimmer verteilt, ich wäre ansonsten glaube ich noch aufgeregter gewesen, wenn ich mir erst ein Bett vor Ort hätte erkämpfen müssen.

So jedoch, war ich mit meinen 3 engsten Freundinnen aus der Klasse auf einem Zimmer.

Die erste Hürde, die ich auf dieser Fahrt erklimmen musste, waren die steilen Treppen hinauf zu unseren Zimmern. Die Treppenstufen waren recht dünn und die Treppe selber machte eine leichte Kurve.
Es fiel mir unheimlich schwer, meinen Koffer die Stufen hinauf zu bugsieren.

Ich brauchte eine gefühlte Ewigkeit und hinter mir bildete sich ein leichter Stau voll lärmender Klassenkameraden, die alle darauf warteten, wann ich denn endlich oben angekommen war.
Den Abstand zwischen Koffer, mir und der Treppe war für mich schwer einzuschätzen. Ich hatte kein Gefühl dafür, wo ich aufhörte, wo der Koffer begann und endete und die Treppe wiederrum ansetzte.

Als ich es schließlich endlich geschafft hatte kam es zur Aufteilung der Betten.
„Anna, möchtest du oben oder lieber unten schlafen?“ In meinem Kopf überschlugen sich die Gedanken.

Wo sollte ich schlafen?

Lieber oben, wo ich kein Unterteil eines Bettes über mir schweben hatte, wo sich womöglich Spinnen hinabseilen würden und welches einfach nicht hygienisch aussah?
Oder lieber unten?

Dort wäre der Weg zur Toilette nicht so weit und wie ich mich kannte, musste ich mindestens einmal in der Nacht auf die Toilette gehen.

Ich entschied mich für das untere Bett.

Der nächste Teil stand an; das Bettenbeziehen.
Wir hatten aufgetragen bekommen, unsere eigene Bettwäsche mitzunehmen.

Zuhause hatte ich bereits Betten beziehen geübt. Im Prinzip wusste ich, wie es geht.

Doch ich wollte das fremde Bettzeug nicht anfassen. Ich ekelte mich davor.
Schließlich bat ich meine beste Freundin L darum, es für mich zu beziehen, welches sie auch sofort ohne nachzufragen machte.
Dafür war ich ihr sehr dankbar. Ich hatte kein Gefühl der Scham und musste auch nicht darüber sprechen, warum ich es nicht beziehen wollte oder konnte.

Ein großes Abenteuer war das gemeinsame Essen mit der Schulklasse.

Es gab ein Buffet verschiedenster Lebensmittel. Dennoch entschied ich mich immer für dieselbe Zusammenstellung an Lebensmitteln.

Zum Frühstück aß ich ein Brot mit Butter. Zu Mittag gab es ein Lunchpaket, von dem ich jedoch nur den Apfel und ein Brötchen mit Butter aß und zu Abendessen tat ich mir Nudeln mit etwas Soße auf den Teller.
An die unterschiedlichen Nachtische wagte ich mich nicht und auch einen Salat als Vorspeise probierte ich nicht.

Bis heute mag ich nur Vanillepudding als Nachtisch. Jedoch würde ich heute auch etwas Salat essen.

Das Reiten auf den Ponys machte mir großen Spaß und insgesamt war die Klassenfahrt eine wirklich tolle Erfahrung für mich.

Einzig das Schlafen in dem fremden Herbergsbett machte mir am Anfang zu schaffen, doch ich gewöhnte mich recht schnell daran.

In der dritten Nacht konnte ich bereits durchschlafen. Ich denke das lag auch an meinem Bettzeug das nach zuhause roch.

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