Die Generalprobe muss immer schief gehen!

Eine der besten Entscheidungen meines Lebens war, eine Fahrschule in unserer großen Nachbarstadt zu besuchen. Und ich muss zugeben, die Intention kam nicht von mir. Ich gestehe hiermit zu:
Mama und Papa, ihr hattet Recht!!

Dies beinhaltete zwar den Umstand, mehrmals in der Woche erst spät abends zuhause zu sein und in den Genuss unserer luxuriösen Linienbusse (Ironie aus) zu kommen, doch es hat sich gelohnt.

Meine erste praktische Fahrstunde hätte mich nicht mehr überrumpeln können. Relativ entspannt trudelte ich bei unserer Fahrschule ein.
In meiner Vorstellung durfte ich chilli milli ein wenig auf einem großen Parkplatz, oder vielleicht in einer Spielstraße herumgurken.

Nichts da.
Ich musste direkt ran ans Steuer und durfte mich auf einer unserer viel befahrendsten Hauptstraßen zurecht finden. Mit gefühlten 15 Stundenkilometern tuckerte ich, eine schier endlos lange Schlange genervter Autofahrer hinter mir, der Kreuzung entgegen.

Den Tränen nahe vor Dankbarkeit, nahm ich den Richtungsbefehl meines Fahrlehrers entgegen, nun bitte links in die 30er Zone abzubiegen. Wir krochen um die Kurve und ich erkannte meinen Schutzengeln die Tatsache hoch an, dass wir den weniger befahrenen Teil unserer Stadt erreichten.

Stunde um Stunde jagte mein Fahrlehrer mich durch alle Situationen, die einem Fahrschüler während einer Fahrstunde auch nur hätte passieren können.

Anfahren am Berg.
Nach dem 20. Mal klappte auch dies.

Rückwärts einparken?
Gar nicht so schwer.

Im Vergleich zu meinen Freunden und Mitschülern brauchte ich zwar die eine oder andere Fahrstunde mehr (okay, vielleicht auch mehr als die eine oder die andere), doch erfolgreich fuhr ich meiner praktischen Fahrprüfung entgegen.

Es gab zwei, drei Kleinigkeiten, die mir kurz vor der Prüfung immer noch nicht recht gelingen wollten.

Dazu gehörte zum Beispiel der Punkt, dass ich keinen Schulterblick machen konnte, ohne meinen Wagen in die Richtung hin zu lenken, in welche ich schauen wollte.
Ich driftete nach links und ich driftete nach rechts und manchmal auch in beide Richtungen, wenn ich abwechselnd rechts und links blickte.

Einparken klappte super (zumindest bis ich dann mein eigenes Auto bekam, da ging dann gar nichts mehr, aber dazu in einem anderen Beitrag mehr) und eine Erfahrung für die ich im Nachhinein sehr dankbar bin, war folgende:

Mein Fahrlehrer und ich fuhren auf der Autobahn. Gerne und regelmäßig. Musste ja sein.
Nicht nur mit einem Affenzahn, sondern auch mit viel zu lauter Musik. Kaum bogen wir ab, fernab der Stadt, der Sonne entgegen, wurde das Autoradio auf volle Lautsärke gedreht.

Wir cruisten mit Kool Savas „Rhythmus ´seines´ Lebens“ oder erfreuten uns an Britney Spears „Oops I did it again“. Dieser Umstand machte mich jedes Mal sowas von nervös. Ich konnte mich kaum konzentrieren, geschweige denn die Richtungsanweisungen meines Fahrlehrers verstehen.

Die Straße raste an mir vorbei, meine Umwelt nahm ich nur noch schemenhaft wahr und die Musik dröhnte mir in den Ohren.

Heute sage ich; für mich persönlich war dies die beste Schule. Nichts hätte mich in unserem Straßenverkehr besser abhärten können.

Von Stunde zu Stunde wurde ich sicherer. Traute mir mehr zu und auch die anderen Verkehrsteilnehmer waren nicht mehr diese undurchschaubare Masse an wilden Individuen.

Sogar Straßenschilder wurden nach und nach von mir gesehen.
Am Anfang nahm ich sie, mein Fahrlehrer unterstellte mir manchmal spaßeshalber ein Prinzip dahinter, nicht wahr.
Ich sah sie einfach nicht.
Und wenn ich sie sah, dann nicht richtig.
Nicht so, dass ich erkannte was es für ein Schild gewesen war. Und gleichzeitig konnte ich nicht schnell genug schalten und überlegen, wofür dieses Schild denn nun eigentlich stand.

In 30er Zonen fuhr ich 50. In Straßen, an denen keine Schilder angebracht waren, fuhr ich anstatt der geforderten 50 Stundenkilometern 30. Ich wusste ja nicht, dass kein Schild angebracht war. Es hätte ja auch sein können, dass ich es nur wieder nicht gesehen hatte. Also, ein Versuch war es wert, sich einfach mal spontan für eine Geschwindigkeit zu entscheiden.

Schließlich war es soweit.
Die allerletzte Fahrstunde vor meinem großen Tag war angebrochen.
Mein Fahrlehrer leitete diesen denkwürdigen Augenblick mit den Worten ein, ich müsse mir keine Sorgen machen, die Generalprobe müsse immer schief gehen.

Aber: Ich machte keine Fehler. Keinen einzigen. Nicht mal einen, den ich die 30 Stunden vorher einfach IMMER gemacht hatte.

Dies verunsicherte mich nun wirklich.
Und nicht nur mich, sondern auch meinen Fahrlehrer. Sogar sichtlich.
Als wir nach der abgelaufenen Zeit das Fahrschulauto auf seinen angestammten Parkplatz lenkten verabschiedeten wir uns knapp.

Ich fieberte meiner Prüfung entegegen, konnte kaum schlafen.
Wie würde sie wohl ablaufen?
Würde ich alle Fehler, die ich in der Generalprobe nicht machte, nun in meiner Prüfung nachholen?
Muss ich am Berg anfahren?
Und muss ich links einparken?

Es bleibt spannend; bleiben Sie dran!

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