Einkaufen

Langsam biege ich auf den Parkplatz ein. Autos an Autos zwängen sich in die vordersten Parklücken, um ihren Haltern so, einen weiten Weg hinein ins Einkaufsparadies zu ersparen.
Mein kleiner blauer Flitzer tuckert gemächlich, ich habe keinen Stress, keinen Zeitdruck. Keine Muße, mich in die erste Reihe zu zwängen. Lieber gehe ich ein kleines Stückchen, kann in Ruhe meinen Einkauf verladen und den Parkplatz ohne ständiges Rechts-vor-links Halten verlassen.
Ich halte, ziehe den Schlüssel aus dem Zündschloss. Der Motor und das Radio verstummen. Einen Moment ist es still. Im Kopf gehe ich noch einmal meinen Einkauf durch. Ich entscheide mich gegen einen Einkaufswagen, gehe zum Kofferraum und nehme mir einen Leinenbeutel heraus.

Um mich herum flirrt die Luft. Stimmengewirr von ein paar Menschen dringt über den Parkplatz zu mir herüber. Einkaufswagen scheppern. Sie tragen qietschend und keifend den Einkauf in ihrem Bauch. Nicht nur Unhandlichkeit ist eines ihrer treffendsten Beschreibungen. Nein nein. Die treffendste Beschreibung ist wie ich finde, ihr ganz eigener charakteristischer Klang. Dieses unangenehme Einkaufswagengeschäppere.

Ich schlängle mich durch die Eingang säumenden Raucher hindurch und betrete den Supermarkt. Rechts im Eingangsbereich ist ein kleiner Asiaimbiss aus dem ein süßlicher Geruch strömt. Die Geräuschkulisse hält sich noch im Rahmen.
Ich habe eine späte Uhrzeit zum Einkaufen gewählt, der Supermarkt ist fast menschenleer.
An den Pfandautomaten vorbei führt mich mein Weg, hinein in die Welt voll bunt bepackter Regale, verheißungsvoller Waren und noch viel bunteren Inhaltsstoffen.

Die Flaschen werden schmatzend oder klirrend verschluckt. Ein strenger Biergeruch liegt wie eine Barriere zwischen mir und dem Pfandautomat. Gott sei Dank habe ich heute keine Flaschen dabei, um sie in den Schlund zu schieben.

An der Informationstheke unterhalten sich die beiden Supermarktangestellten angeregt. Sie haben scheinbar nichts zu Tun und Zeit für den kleinen Plausch. Ich wehe schnell an ihnen vorbei, habe keine Muße mein Ohr für Gesprächsfetzen zu öffnen und haste an ihnen vorbei.

Das Licht flimmert und ich höre das leise Summen der Lampen. Vereinzelte vollbepackte Einkaufswagen säumen den breiten Mittelgang. Sie stehen ruhig und friedlich dort. Nichts nährt den Verdacht, dass sie zu solch einer Geräuschkulisse fähig wären.

Ich bin an der Tiefkühltruhe angekommen. Die Kälte durchfährt meine Glieder. Ich schiebe die eine Seite der Kühltruhe auf und versuche nicht daran zu denken, wie viele tausend Menschen dies heute bereits ebenfalls getan haben. Nehme mir das was ich brauche hinaus und schiebe sie schnell wieder zu.

Gerne kehre ich noch beim Regal mit den Süßigkeiten ein. Oft ist es so, dass ich mich einfach nicht entscheiden kann und schließlich ohne eine Beute den Laden wieder verlasse.
So viele Vor- und Nachteile einzelner Produkte gibt es zu berücksichtigen. Dies nimmt schon sehr viel Zeit in Anspruch. Nicht nur der Preis wird abgewogen, auch der Geschmack, die Packungsgröße und die Inhaltsstoffe.
Nehme ich die „M“-Packung von den M&M´s oder doch lieber die „Large“?

Heute sind es Kekse, die den Weg in meinen Arm finden.

Noch ein kurzer Stopp beim Tierfutter und dann schleunigst zur Kasse. Sie ist nicht ganz so voll. Ich ergattere sogar einen Platz in einer Reihe in dem nur Menschen ohne Einkaufswagen stehen. Fehlt nur noch, dass sich hinter mir ebenfalls keiner einreiht.
Unangenehmes Gefühl, einen Einkaufswagen dicht hinter sich zu haben. Ich wünsche mir für mich eigentlich immer einen gewissen Mindestabstand.

Die Waren laufen piepsend über das Kassenband.
Endlich bin ich an der Reihe. Mit spitzen Fingern krame ich den erforderlichen Geldbetrag aus meinem Portemonnaie und verschwinde dann hastig mit meinen Waren im Arm zum Ausgang.

Der Einkauf hat prima geklappt. Keine Vorfälle, nichts was im Gedächtnis nachhaltig gespeichert werden müsste.

Also: auch kein unnötiger Stress.

Zufrieden gehe ich über den Parkplatz zurück zu meinem Auto. Stelle meinen Leinenbeutel in den Kofferraum und setze mich auf den Fahrersitz. Lächelnd schalte ich das Radio an, mache das Fenster herunter und fahre los.

So könnte es meiner Meinung nach immer laufen! 🙂

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11 Gedanken zu “Einkaufen

  1. Der einzuhaltende Mindestabstand wäre eine tolle Idee. Dann würde man sich schon ein bisschen wohler fühlen. Gibt es doch in der Apotheke auch diese „Abstandhalter“?! Warum nicht auch an der Kasse 🙂

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    1. Das stimmt, das wäre eine tolle Maßnahme. Auch beim Bezahlen, manchmal hat man das Gefühl, der Hintermann würde am liebsten den Einkauf übernehmen, weil er dann schon zum Kassentresen vorgerückt ist, während wir noch gar nicht fertig sind mit dem Einpacken der Sachen. 😀

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      1. Ja richtig. Da gibts dann aber bestimmt wieder welche, die es nicht beachten oder absichtlich nicht anwenden. Du kennst doch die Menschen. Für Neues sind die gar nicht offen.

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      2. Könnte das Leben ja tatsächlich erleichtern! 😀
        Ich muss beichten, manchmal frage ich mich, ob dies ein „deutsches“ Thema ist, oder ob dies in anderen Ländern ähnlich abläuft.

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      3. Ich denke schon, dass es in den anderen Ländern ähnlich ist. Da das Kassenband sowieso sehr kurz ist, ist es schlichtweg unvermeidbar, dass man große Abstände hält.

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      4. Ja das könnte gut möglich sein. Wie mit allem. Egal ob in der Schule oder woanders. Denken zwar drüber nach wie es besser laufen könnte, doch keiner sagt was und teilt sich mit.

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