Hören – Universität

Nun kommen wir zu einem der Faktoren, die mein Studium beeinflussen; meine Ohren.

Jede noch so hohe oder tiefe Frequenz scheint mit Freuden mein Innenohr zu erreichen, es mit Geräuschkulissen zu liebkosen, nur um daraufhin genauso schnell die Liebelei zu beenden. Um dem nächsten frequenzpotenzierten Muskelmachogeräusch das Feld zu überlassen.
Ich weiß nicht inwiefern ihr euch meinen Uni Campus vorstellen könnt. Ich will versuchen ihn zu beschreiben. Und zwar nicht mit Bildern, Farben und ähnlichem sondern mit den Geräuschen, welche diesen netten Teilaspekt meines Studentenlebens begleiten.

So, wir gehen von dem Umstand aus, dass ich den Luxus genieße mit meinem Auto zur Uni fahren zu können. Der Bus würde nun wirklich das Bild crashen, etwas unangenehmeres als einen Bus oder eine Straßenbahn habe ich selten erlebt, unter dem Aspekt der Reize und vor allem der Reizüberflutung.
Nun zurück zu unserer Fantasiereise.
Wir stellen uns nun einen 08/15 Klischee Universitäts Campus vor. Voll mit Menschen; jungen, coolen, hippen Studenten.
Neben dem Schlurfen von gefühlt hunderten Paar Schuhen, heben sich sanft die schrillen Klingeln der Fahrräder ab, die mit einem Affenzahn an dir vorbeirasen.

Du straffst deine Schultern, ziehst den Kragen etwas höher und erschrickst im nächsten Moment, als das Auto, das fast den Fahrradfahrer von links übermalmte, anfängt zu hupen. Der Guteste echauffiert sich lautstark und von rechts wirst du von 5 jungen Männern überholt. Lässig eine Kippe im Mundwinkel steckend, unterhalten sie sich lautstark über die letzte Nacht. Über die heißen Mädels, über den beleibten Prof..

Der eine schlurft. Der andere hat irgendetwas in seinem Rucksack, dass bei jedem Schritt scheppert. Hinter dir geht ein Mädchen mit Absatzschuhen. Sie scheint zu hinken. Oder warum ist ihr Schritt nicht gleichmäßig. Kann sie nicht vernünftig gehen? Wenn man zu doof ist um auf solchen Schuhen zu laufen, sollte man sich keine kaufen. Oder vorher zumindest üben. Menno.

Je mehr du dich dem Universitätsgebäude näherst, umso mehr nimmt die Geräuschkulisse zu. Überall sind Stimmen. Sie vermehren sich. Tun sich zu einem riesigen unaufhaltsamen Schwarm zusammen, der dich einkreist und mit seinen Stacheln bedroht. Sie durchdringen das letzte bisschen Schutzschicht deiner Ohren und setzen sich mit messerstichfeinen, kleinen Pieksern in der Ohrmuschel fest.

Du fängst Wortfetzen auf, die dich null interessieren. Die dich mit Themen belästigen, die du gerne einfach nur ausblenden möchtest.
Der und der hat die Probleme, das Mädchen schmatzt.

Der Junge hat sich ein Brötchen gekauft. Die Tüte knistert unangenehm laut. Du kannst den Geräuschen einfach nicht entfliehen. Der Schwarm hat es auf dich abgesehen und nimmt deine Verfolgung auf. Ganz gleich wohin du gehst; der Schwarm ist schneller.
Auf der Toilette empfängt er dich mit dem Gurgeln der Toilettenspülungen. Sie werden begleitet von einem Glucksen und Saugen. Von kichernden Mädchen. Von Händetrocknern, bei denen ich mich manchmal wirklich frage wer um Himmels willen diese Art von Geräten erfunden hat. So etwas uneffektives und nervenaufreibendes. Dieses dumpfe Dröhnen prescht durch das Trommelfell. Der Schwarm der Geräusche ist kurz aufgeschreckt von einem solchen Kraftpaket an Geräuschbelästigung, sammelt sich jedoch recht schnell wieder und setzt zu einem neuen Angriff an;

der Hööörrrsssaaalllll.

Dort scheinen fast alle Geräusche, die ein Alltag so zu bieten, hat aufeinander zu treffen:
Tüten Geraschel; ob vom Bäcker oder Plastiktüten: alles vertreten!
Alufolie.
Stiftekratzen.
Das Knacksen von Plastikflaschen beim Trinken.
Tastaturgetippe.
Lachen.
Gespräche.
Und. Und. Und.
Manchmal ist da ein Overload schon fast vorprogrammiert.

Mein zweites Studium beinhaltet kaum Veranstaltungen in so großen Hörsäälen. Der Geräuschkulisse auf dem Campus ansich, kann ich in der Form nicht immer aus dem Weg gehen.

Ich versuche mich zu erden, in meiner Mitte zu sein und drüber zu stehen.

Mal klappt es und mal klappt es nicht.

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2 Gedanken zu “Hören – Universität

    1. Ich denke das hängt mit den ganz eigenen Vorlieben zusammen und ebenfalls der ganz individuell empfundenen Intensität von Reizen.
      Bei mir persönlich : ich habe gerne eine gewisse Kontrolle über das, was ich höre. Mit meiner eigenen Musik/ Hörbüchern kann ich sie leben und alles unerwünschte ausblenden.
      Ich werde mir deinen Beitrag anschauen. 🙂

      Gefällt mir

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